|
Wichtiger Hinweis
Die folgende Auflistung von "Norm"-Blutwerten kann nur als
sehr grobe Orientierung gelten. Gerade die Blutwerte von Patienten mit
Fanconi-Anämie sind nur von ausgesprochen erfahrenen Hämatologen
interpretierbar. Bedingt durch eine Vielzahl nur schwer zuzuordnender
Faktoren können sie großen Schwankungen unterworfen sein.
Niedrige Werte, die für den einen Patienten noch als gerade tolerierbar
angesehen werden können, sind für den anderen FA-Patienten
unter Umständen schon akut lebensbedrohlich. Verlassen Sie sich
als medizinische Laien also bitte auf keinen Fall auf irgendwelche Normwerte-Tabellen.
Sie können nur eine sehr grobe Richtlinie darstellen. Besprechen
Sie die Blutwerte Ihres Kindes bitte immer zunächst mit dem behandelnden
Arzt, der den Verlauf Ihres Fanconi-Anämie-Kinders schon länger
kennt und deshalb besser als jeder andere einschätzen
kann.
Die Blutbildkontrolle
Aus Sicherheitsgründen sollten bei FA-Patienten regelmäßig Blutbilder
angefertigt werden. Nur so kann der Verlauf kontrolliert und ein rechtzeitiges
Eingreifen möglich gemacht werden. Je niedriger die Blutwerte, desto
enger müssen die Kontrollen liegen. Eltern oder junge erwachsene Patienten
können durch eigene regelmäßige Aufzeichnungen helfen,
die Werte zu protokollieren, um eine Übersicht des Verlaufs erstellen
zu können. Mit Hilfe eines von unserem Verein speziell entwickelten
Computerprogramms können aus Quartalsdurchschnittswerten Verlaufsdiagramme
erstellt werden, die mitunter sehr hilfreich für die Einschätzung
längerfristiger Trends bei der Entwicklung der Blutwerte eines
FA-Patienten sind. Besonders hinsichtlich der Frage, ob und wann bestimmte
Medikamente (meist Androgene) eingesetzt werden können bzw. sollten
oder auch, inwieweit derartige Medikamente längerfristig zu einem
sichtbaren Erfolg geführt haben, können diese Verlaufsdiagramme
auch für den behandelnden Arzt von Vorteil sein.
Um die wichtigsten Parameter festzustellen, genügt bei Patienten
mit relativ stabilem Verlauf in der Regel ein kleines Blutbild (Abnahme
von kapillarem Blut durch einen "Fingerpieks"). Hierbei werden
folgende Werte festgestellt:
Zellart/Umschreibung
|
Einheit
|
Normwert
|
Leukozyten
("Leukos")
weiße Zellen, dienen der Abwehr
|
/nl
/µl
|
4,0 -
9,4
4000 - 9400
|
Erythrozyten
("Erys")
rote Zellen, dienen dem Stofftransport
|
/pl
|
4,2 -
6,2
|
Hämoglobin
(Hb)
roter Blutfarbstoff
|
g/dl
mmol/l
|
12,0 - 18,0
7,5 - 11,0
|
Hämatokrit
(HK, HKT)
Anteil der zellulären (festen) Bestandteile am gesamten Blutvolumen
|
Vol
%
|
37,0 - 54,0
|
MCV
mittleres Zellvolumen der Erys
|
fl
|
83,0 - 93,0
|
MCH
Färbekoeffizient
|
pg
|
28,0 - 32,0
|
MCHC
mittlere Hämoglobinkonzentration des Einzelerytrozyten
|
Vol
%
|
32,0 - 36,0
|
Thrombozyten
Blutplättchen, dienen dem Wundverschluß
|
/nl
/µl
|
130 - 400
130 - 400 Tsd
|
Im Krankheitsverlauf kann es vorkommen, daß ein "großes Blutbild"
nötig wird. Das große Blutbild setzt sich aus dem obigen "kleinen
Blutbild" und dem "Differentialblutbild" zusammen. Mit
dem "Differentialblutbild" können nachfolgend aufgeführte
Faktoren bestimmt werden:
Zellart/Umschreibung
|
Einheit
|
Normwert
|
Stabkernige
neutrophile Granulozyten,
bestimmte, zu den Leukozyten gehörende Zellen
|
%
|
< 3
|
Segmentkernige
neutrophile Granulozyten,
bestimmte, zu den Leukozyten gehörende Zellen
|
%
|
60 -
70
|
Eosinophile
Granulozyten,
bestimmte, zu den Leukozyten gehörende Zellen
|
%
|
0,8
- 6,2
|
Basophile
Granulozyten,
bestimmte, zu den Leukozyten gehörende Zellen
|
%
|
0,2
- 1,3
|
Monozyten,
bestimmte, zu den Leukozyten gehörende Zellen
|
%
|
0,7
- 9,3
|
Lymphozyten,
vom Stammzellen im KM abstammende Immunzelle
|
%
|
22,4 - 47,9
|
Wichtig:
Der Anteil der Neutrophilen (neutrophile Granulozyten) ist für die Behandlung
bestimmter Infekte äußerst wichtig. Entscheidend ist die Anzahl der
Neutrophilen in Absolutwerten. Diesen Wert ermittelt man durch die Multiplikation
des Prozent-Wertes der Neutrophilen mit der Anzahl der Leukozyten dividiert
durch 100.
Beispiel:
Neutrophile Granulozyten = 45%, Leukozyten = 6000
Rechnung: 6000
x 45 : 100 = 2700 neutrophile Granzlozyten
|