Familien- und Wissenschaftlertreffen 2000
Das 14. Treffen der Deutschen Fanconi-Anämie-Hilfe e.V. fand von Dienstag,
den 31. Oktober bis Sonntag, den 05. November 2000 im
Kneippheilbad Gersfeld statt. Das malerische Städtchen Gersfeld
wird als "heimliche Hauptstadt der Rhön" bezeichnet und
liegt in der Nähe von Fulda direkt am Fuße der Wasserkuppe.
Das FA-Familientreffen 2000 stand in diesem Jahr unter einem ganz besonderen
Stern, denn die Teilnehmer des Treffens konnten auf ein inzwischen 10jähriges
Bestehen der Deutschen Fanconi-Anämie-Hilfe e.V. zurückblicken.
Es
folgt ein ausführlicher Bericht über die einzelnen Programmpunkte:
Dienstag, 31.10.2000
Ab 16 Uhr Anreise für die ersten Teilnehmer zur Jugendherberge und
Begrüßung durch Frau Förster, Leiterin der Jugendherberge Gersfeld.
Mittwoch,
01.11.2000
Die Wasserkuppe war das Ziel eines Ausfluges mit den Eltern und Kindern.
Ein Spaziergang in 950m Höhe einschl. der Besichtigung des Segelflugmuseums
war der Lohn der Strapaze. Am Nachmittag luden das neue Wellnessbad
zur Entspannung bzw. der Schloßpark mit der Barockkirche zu einer Besichtigung
ein. Am Abend bastelten Eltern und ein Teil der Kinder Tischleuchten.
Die kleineren Kinder zogen es vor, sich mit Elisa und Nini in die Kuschelecke
zurückzuziehen und ihren Geschichten zu lauschen.
Donnerstag,
02.11.2000
Unser Geschäftsführer Ralf Dietrich führte Ausschnitte
aus Videointerviews zu den Themen "Erfolgreiche Knochenmarktransplantationen",
"Probleme von Erwachsenen mit FA" und "künstlich gezeugte
Babys als Lebensretter" vor. Anschließend folgte der Vortrag von
Dr. Chris Walsh, Direktor des Gentherapieforschungszentrums der
Universität von North-Carolina, Chapel Hill / USA: "Zwischenbilanz
über die ersten amerikanischen Gentherapieversuche bei Fanconi-Anämie-Patienten,
die der Untergruppe FA-A angehören". Nach dem Mittagessen spazierten
wir mit allen Eltern und Kindern in den schönen Wildpark von Gersfeld.
Gegen 16.45 Uhr hielt Prof. Dr. Markus Grompe von der Universität
Portland in Oregon / USA seinen Vortrag: "Ist D gleich D oder D2?"
Über die großen Schwierigkeiten und die verschiedenen Ansichten unter
Wissenschaftlern hinsichtlich der gezielten Suche nach dem Fanconi-Anämie-D-Gen.
Vorstellung der in Portland erzielten Erkenntnisse, die sich auch für
das Gesamtverständnis von Fanconi-Anämie, für die Diagnostik und die
Therapie als außergewöhnlich wichtig herausstellen könnten. Nach dem
Abendessen beeindruckte uns der Judoclub Schöneck mit seinem
Können.
Freitag,
03.11.2000
Der Vormittag begann mit der Mitgliederversammlung einschl. der
Vorstandswahl.
Um
13.15 Uhr folgte der Vortrag von Dr. Holger Tönnies, Humboldt-Universität
Berlin, Virchow-Klinikum, Institut für Humangenetik über Chromosomenveränderungen
im Knochenmark von FA-Patienten, Notwendigkeit regelmäßiger Verlaufskontrollen
und verbesserte technische Nachweismöglichkeiten. Welche Veränderungen
kommen bei FA häufiger vor? Welche können zu Leukämie führen und könnten
als Entscheidungshilfen für rechtzeitige Therapiemaßnahmen genutzt werden?
Anschließend folgte um 14.00 Uhr der Vortrag von Prof. Dr. Blanche
Alter, National Institute of Health, Washington D.C.: "Wie
viele FA-Patienten gibt es im Erwachsenenalter? Können FA-Patienten
Eltern von gesunden Kindern werden. Analyse von Literaturberichten,
Schilderungen eigener Beobachtungen und notwendige Vorsichtsmaßnahmen".
Die Übersetzung vom Englischen ins Deutsche übernahm Frau Dr. Neitzel.
Um 15.00 Uhr ging es mit den Ausführungen von Dr. med Sikurra
von der Universitätskinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover
weiter:
Bericht über die erfolgreiche Knochenmarktransplantation bei einem 8-jährigen
Mädchen mit Fanconi-Anämie und Leukämie; vor der KMT: Erfolgreiche Behandlung
schwerer Infektionen mit Hilfe von Granulozytentransfusionen.
Nach
der Kaffeepause folgte um 15.45 Uhr der Vortrag von Dr. Giovanni
Pagano, Italienisches Krebsforschungsinstitut Neapel, Abteilung
für Pharmakologie: "Vorstellung des EUROS-Projektes - gemeinsame
Anstrengungen auf europäischer Ebene von Wissenschaftlern und Familien
zur Verbesserung der Kenntnisse über Oxydativen Stress bei FA und anderen
genetischen Erkrankungen"
Unmittelbar daran anschließend folgte der Vortrag von PD Dr. Heidemarie
Neitzel, Humboldt-Universität Berlin, Virchow-Klinikum, Institut
für Humangenetik: "In-vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik
bei Fanconi-Anämie-Familien im Ausland; Hintergrundinformationen und
grundsätzliche Gedanken zur aktuellen Diskussion über Retortenbabys
als lebensrettende Knochenmarkspender". Der Vortrag endete
mit einer gemeinsamen Gesprächsrunde.
Um 17.00 Uhr folgte ein Vortrag von Prof. Dr. Ludmila Korkina,
Universität Moskau, Vitaminforschungsinstitut: "Über die
schädlichen Auswirkungen von Oxydativem Stress bei Fanconi-Anämie
hinsichtlich Knochenmarkversagen, Leukämie und Krebstumoren; Hypothesen
für vorbeugende Maßnahmen zur Verbesserung des Zellschutzes.
Um 17.45 Uhr gab es eine wohlverdiente Pause und das gemeinsames Abendessen.
Ab 19.00 Uhr spielte im Bürgersaal das Rotznasentheater aus Gangloff
ein Stück für Klein und Groß: "Land in Sicht". Eine abenteuerliche
Reise für Menschen ab drei; ein Kindermusical für die ganze Familie
zum Zuschauen, Lachen und Mitmachen; Spiel, Spaß, Musik und Unterhaltung
für jedermann:
"Es war einmal ein Angler mit dem Namen Bubu Barsch. Er angelte
sehr gerne, guckte in die Ferne übers Meer und stellte sich vor, einen
ganz dicken Fisch an Land zu ziehen. Wieder einmal saß er da an der
Hafenmole..." Kindergartenkinder aus Gersfeld, die wir eingeladen
hatten, konnten bei diesem Theaterstück mit zuschauen.
Zu später Stunde, um 20.30 Uhr, folgte dann noch der Vortrag von Dr.
med. Pavel Trakthman, Abteilung für Knochenmarktransplantation der
Universitätskinderklinik Moskau: "Erfahrungen mit Knochenmark-
transplantationen bei Patienten mit Fanconi-Anämie in Rußland".
Dr. Wolfram Ebell übersetzte die englisch gesprochenen Ausführungen
ins Deutsche.
Anschließend um 21.15 Uhr folgte dann der Vortrag von Dr. med. Wolfram
Ebell, Humboldt-Universität Berlin, Virchow-Klinikum, Kinderklinik:
"Erfahrungen und Hintergründe über die Verschlechterung der Blutwerte
bei Fanconi-Anämie; Erfolgreiche Behandlungen mit Androgenpräparaten
(männl. Hormonen); Sollen FA-Kinder geimpft werden? Nachdem Ende dieser
Vortragsreihe dann der Ausklang des Abends und gemütliches Beisammensein
in der Jugendherberge.
Samstag,
04.11.2000
Um 9.00 Uhr begann im Bürgersaal der Vortrag von Dr. Martin Digweed
von der Humboldt-Universität Berlin, Virchow-Klinikum, Institut für
Humangenetik: "Zellulärer Phänotyp bei Fanconi-Anämie, Merkmale
und Besonderheiten in den Zellen von FA-Patienten, die zu unterschiedlichen
Komplementationsgruppen gehören."
Es folgte der Vortrag von Prof. Dr. med.
Elena Samochatova, Universitätskinderklinik Moskau, Abteilung für
Hämatologie/Onkologie: "Häufigkeit von Fanconi-Anämie und demographische
Verbreitung unter den Volksgruppen in Rußland - Erfahrungsbericht des
russischen Forschungsinstituts für pädiatrische Hämatologie" (Übersetzung
aus dem Englischen durch Dr. Wolfram Ebell)
Prof. Dr. Brigitte Royer-Prokora, Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf, Institut für Humangenetik schloß sich mit folgendem
Vortrag an: "Wie sich gesunde Zellen über Jahre in Krebszellen
verändern."
Anschließend referierte Frau Prof. Dr. Blanche Alter, National
Institute of Health, Washington D.C. über: "Krebstumoren und
Leukämie bei FA-Patienten, Ansteigen der Häufigkeit mit zunehmendem
Alter,
dringende Notwendigkeit regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen". Bitte
um Mithilfe bei Fragebogenaktion zur besseren Erforschung der Problematik
bei FA (Übersetzung aus dem Englischen durch Dr. Helmut Hanenberg).
Nach dem Mittagessen ging es um 13.30 Uhr mit dem nächsten Vortrag
weiter:
Dr. med. Helmut Hanenberg, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf,
Zentrum für Kinderheilkunde, Labor für experimentelle Hämatologie und
PD Dr. med. Detlev Schindler, Universität Würzburg, Institut
für Humangenetik: "Zusammenarbeit der Universitäten Düsseldorf
und Würzburg - 1.) retrovirale Vektorenanalyse für eine schnelle Untergruppenzuordnung
bei FA; 2.) Erlaubt die vollständige Wiederherstellung der Knochenmarktätigkeit
bei bestimmten FA-Patienten mit Mosaik die Hoffnung, daß auch Gentherapie
bei FA in Zukunft erfolgreich verlaufen wird?"
Anschließend erhielt Dr. med. Wolfram Ebell, Humboldt-Universität
Berlin, Virchow-Klinikum, Kinderklinik, KMT-Station, das Wort zu den
Themen:
1.) Sind bessere Erfolge bei Knochenmarktransplantationen von unverwandten
Spendern bei FA möglich? 2.) Stammzellreserven von FA-Patienten möglichst
bald nach Diagnosestellung? 3.) Wären Fanconi-Anämie-Gentherapieversuche
zukünftig auch in Deutschland denkbar?
Nach einer Kaffeepause folgten Dr. Hans Joenje und Dr. Johan
de Winter, beide von der Freien Universität Amsterdam, Institut
für Humangenetik mit ihrem Thema: "Identifizierung des Fanconi-Anämie-E-Gens;
Ausblick auf weitere vordringliche FA-Forschungsprojekte"
Im Anschluß daran folgte der Vortrag von Prof. Dr. med. Traute Schroeder-Kurth,
Universität Würzburg zu folgenden Themen:
1.) Rückblick über 35 Jahre Fanconi-Anämie-Forschung und Diagnostik,
2.) ethische und rechtliche Aspekte der aktuellen Diskussion von künstlich
gezeugten Baby's als rettende Knochenmarkspender für ihre an FA erkrankten
Geschwister mit anschließender Diskussion.
Um 17.45 Uhr gemeinsames Abendessen
Ganz feierlich wurde es dann um 18.45 Uhr im Bürgersaal: Zum 10jährigen
Bestehen der Deutschen Fanconi-Anämie-Hilfe erreichten uns die offiziellen
Grußworte von unseren verbündeten FA-Partnerorganisationen in aller
Welt als Videoaufzeichnungen, die von
Geschäftsführer Ralf Dietrich und Vorstandsmitglied Birgit
Schmitt im Rahmen des FARF-Symposiums in Amsterdam aufgenommen wurden:
1.) "Fanconi Anemia Research Fund" USA, Eugene/Oregon
Lynn
und Dave Frohnmayer (betroffene Eltern von 3 FA-Kindern),
Mary Ellen Eiler (Geschäftsführerin),
Leslie Roy (FA-Familien-Betreuerin);
2.) "Association Civil Argentina de Anemia de Fanconi", Buenos
Aires/Argentinien
Cesar Lucero (betroffener Vater von 3 FA-Kindern);
3.) "Fanconi Anemia Research Fund" Canada, Toronto/Kanada
Annette Waxberg (betroffene Mutter eines FA-Sohnes);
4.) "Association Francaise de la Maldie de Fanconi", Paris/Frankreich
Sylvette Silverston (betroffene Mutter von 2 FA-Söhnen);
5.) "Associazione Italiana per la Ricerca Sull' Anemia", Neapel/Italien
Dr. Giovanni Pagano (betroffener Vater eines FA-Sohnes);
6.) "Nederlandse Stichting Fanconi Anaemie", Groningen/Niederlande
Ron Baas (betroffener Vater eines FA-Sohnes) und
Hendrik Gringhuis (betroffener Vater einer FA-Tochter).
Im Anschluß stimmte uns die Gruppe KaleidoPhon! musikalisch
auf die bevorstehende Feierstunde ein.
Prof. Dr. med. Holger Höhn, Institut für Humangenetik, Universität
Würzburg hielt daraufhin eine feierliche Ansprache zur Würdigung
der Preisträger und begann mit der Verleihung der Ehrenauszeichungen
der Deutschen Fanconi-Anämie-Hilfe für das Jahr 2000 an Dr. Johan de
Winter und Dr. Hans Joenje, an Frau Prof. Dr. Schroeder-Kurth sowie
nachträglich in Abwesenheit an Prof. Dr. Markus Grompe unter Hinweis
auf die bereits am Donnerstag erfolgte Verleihung.
Es folgte wiederum KaleidoPhon! mit "Klezmermusik-Inspirationen"
(Fröhlichkeit und Melancholie gehen bei der Gruppe Hand in Hand,
jiddische und orientalische Geschichten voller Witz und Wärme für Kinder
und junggebliebene Erwachsene). Im weiteren Verlauf des Abends luden
uns die Mitglieder der Gruppe zu den verschiedenen gemeinsamen Tänzen
unter Anleitung und mit Musikbegleitung ein.
Kurz nach 22.00 Uhr Rückweg zur Jugendherberge, dort Ausklang des Tages
in gemeinsamer Runde.
Sonntag,
05.11.2000
Fanconi-Anämie-Workshop für Ärzte und Wissenschaftler mit dem Themenvorschlag
des Veranstalters: Krebstumore und Leukämien bei FA-Patienten, gibt
es effektivere Wege der Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung sind
denkbar?
Parallel um 8.30 Uhr Frühstück in der Jugendherberge für alle, die nicht
am Workshop teilnehmen wollten bzw. konnten.
Im Anschluß Videozusammenschnitte der Vorträge von Dr. Walsh und Prof.
Grompe (Themen siehe im Programm unter Donnerstag) - desweiteren gemeinsames
Überlegen und Formulieren von Fragen für die Podiumsdiskussion.
Um 10.15 Uhr begann im Bürgersaal die Podiumsdiskussion mit ausführlicher
Gelegenheit zu Fragen, Antworten und Kommentaren zu allen Themenbereichen
der Fanconi-Anämie mit behandelnden Ärzten und Wissenschaftlern.
Zum Ende des Familientreffens dann die Abschlußrunde: Wie waren die
vergangenen 6 Tage? Rückblick auf das Erlebte! Was nehmen wir an Eindrücken
mit nach Hause?
Um 13.00 Uhr das letzte gemeinsame Mittagessen, danach Aufräumen, Packen,
Abrechnen und Verabschiedung bis zum nächsten Jahr.